Denknetz

writing

[This post is in German because the piece of writing I introduce is also in German. If you read German, don’t let me stop you. But if you don’t, please check out my other work on gender and surveillance instead.]

Das Denknetz ist ein im deutschsprachigen Raum tätiger Thinktank der sich vor allem mit Themen der sozialen Gerechtigkeit und Solidarität beschäftigt. Neben verschiedenen Positionspapieren und Sachbüchern publiziert das Denknetz seit 2005 ein Jahrbuch. Das Denknetz Jahrbuch 2017 widmet sich unserer technisierten Gesellschaft, und ich freue mich sehr, dass ich ein Kapitel zu Sexualität, Gender und Überwachung beitragen durfte.

Mein Kapitel “Was hat Überwachung mit Sex und Gender zu tun?” steht einzeln hier zum download bereit, und das vollständige Buch ist in open access hier verfügbar und enthält viele interessante Beiträge. 

Es war einmal ein kleiner Vibrator, der wollte gerne nach Hause telefo- nieren. An der DEFCON-Konferenz 2016 wurde gezeigt, dass der We- Vibe 4 Plus genau dies regelmässig tat. Ohne Wissen der zwei Millionen BenutzerInnen schickte das Gerät Daten zu Intensität, Modus, und Körpertemperatur an den Hersteller Standard Innovation, wo sie – mit Zeitstempel und E-Mail-Adressen versehen – gespeichert wurden. Selten ist der Zusammenhang zwischen Überwachung und Sexualität so offensichtlich. Dieser Beitrag widmet sich deshalb der Schnittstelle zwischen Big Data, Überwachung und feministischer Theorie aus intersektioneller Perspektive.

Voraussetzung ist dabei das Grundverständnis, dass Daten, wie auch ihre Verarbeitung und Auswertung, keineswegs einfach objektiv und neutral sind (Gitelman 2013). Im Gegenteil, alle Methoden der Datensammlung und -analyse sind Rahmenbedingungen unterworfen, unterliegen Annahmen und Ausschlüssen, werden eher im globalen Norden initiert als anderswo und werden signifikant häufiger von jemandem aus der Kategorie Weiss, Männlich, und Heterosexuell durchgeführt als von allen anderen. Daten, auch Big Data, sind ausserdem stets eine Stich- probe, keine Population (Kitchin 2014). Auch sogenannte Metadaten sind von dieser Logik nicht ausgenommen, denn sie erlauben Rück- schlüsse auf Verhalten, Beziehungen, Vorlieben und Identität, die gar tiefer greifen können als der eigentliche Inhalt einer Mitteilung (UN OHCHR 2014).